Auf Einkaufstour – Part I

Februar 3, 2012

Jedes Mal das gleiche Bild: Ich biege um die Ecke und vor mir stehen Menschen. Zu viele Menschen. Die Schlange an der Kasse reicht immer bis zum Regal mit den Deodorants. Eindeutig zu weit. Was will man machen? Da hilft nur eins: Nerven bewahren. Aber das ist es mir wert. Ich werde diesen Supermarkt vermissen, wenn ich Würzburg wieder verlasse. Im weit entfernten NRW gibt es nämlich keinen tegut – schade eigentlich. Irgendwie ist das ja fast ein Grund mehr, selbst die Wartezeit an der Kasse zu genießen.

Messerscharfe Schlussfolgerung

Schade auch um den netten Kassierer. Er hat mich erst vor kurzem als Veganerin entlarvt. In aller Seelenruhe schob er den Inhalt meines Einkaufskorbes über seinen Scanner und kam zu der messerscharfen Schlussfolgerung: “Sie sind bestimmt Veganerin, oder?” Er sagte das völlig unvoreingenommen und sehr interessiert, was mich freute. “Das haben Sie aber gut erkannt”, antwortete ich. Er könne ja nicht verstehen, wenn Leute nicht wüssten, was vegan ist, schob er hinterher und wünschte mir viel Spaß beim Kochen: “Bei mir gibt’s heute übrigens auch kein Fleisch.”

Während ich meine Tasche im Fahrradkorb verstaute, dachte ich noch immer über meinen Einkauf nach. Klar, er war vegan. Aber sieht man das wirklich auf den ersten Blick? Und noch viel wichtiger: Können andere Leute sich überhaupt vorstellen, wie das geht: vegan einkaufen?

Dokumentation in Worten

Ich glaube eher nicht. Hätte ich eine Videokamera, würde ich meinen nächsten Einkauf einfach dokumentieren. Leider muss ich es bei einer schriftlichen Beschreibung belassen. Aber auch mit Worten kann ich es beweisen: Es gibt tatsächlich Dinge, die Veganer kaufen können! Und das im Supermarkt um die (süddeutsche) Ecke!

Los geht es für gewöhnlich mit der Obst- und Gemüseabteilung. Die ist schnell abgehakt. Erstens kaufe ich das meiste Grünzeug auf dem Markt und zweitens ist hier von Natur aus alles vegan. Also weiter zur Kühltheke. Joghurt? Kein Problem. Die Variante aus Soja gibt es mit oder ohne Früchten. Für Naschkatzen auch wahlweise mit Schoko- oder Vanillegeschmack. Ein paar Meter weiter greife ich zur Sojasahne – ideal zum Kochen. Auch hier zwei Möglichkeiten: Normal oder mit weniger Fett. Man munkelt, dass auch mancher Veganer auf seine Linie achtet ;) Gleich gegenüber ist die riiiiiesige Auswahl an so genanntem “Fleischersatz”. Klingt doof, schmeckt aber gut. Räucher-, Bärlauch- und Paprikatofu, Bratwürstchen, Aufschnitt, Gyros, Schnitzel aus Lupinen… ich kann gar nicht alles aufzählen. Hier findet sich übrigens auch mein aktueller Liebling: veganer Geflügelsalat. Der Hit für’s Büro!

Die Qual der Wahl

Milch, Aufstrich und Butter brauche ich auch. Kein Problem. Die Auswahl ist  wieder unglaublich groß. Möchte ich Sojadrink (Natur oder Schoko?), Reisdrink (mit oder ohne extra Calcium?) oder doch Haferdrink? Und gleich die nächste Frage: Möchte ich auf meinen Broten morgen eher Tomaten-, Kräuter-, Pilz- oder Paprika-Aufstrich? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wenigstens die Butter geht schnell. Die vegane Margarine von Sojala landet im Korb. Schmeckt super – sogar pur.

Sollte ich mal keine Lust haben, zu kochen, kann ich auch einfach eine vegane Fertigpizza mitnehmen. Und wenn’s schnell gehen muss: Hartweizen-Nudeln mit vegetarischer Bolognese. Alles da. Und auch den regelmäßigen Besuchern der Süßigkeiten-Abteilung sei gesagt: Sogar hier kann ich als Veganerin fündig werden. Als Beispiele nenne ich nur die veganen Kekse, Zartbitterschokolade und Haselnuss-Waffeln. Das vegane Eis gibt’s übrigens an der Kasse. Dank der Schlange hat man hier ja genug Zeit, sich für eine Sorte zu entscheiden.

Foto oben: flickr (RK_S)

5 Antworten zu „Auf Einkaufstour – Part I“

  1. Christian Sagt:

    Das Problem ist ja auch ein soziales. Ein Bekannter von mir ist Rohkost-Veganer (mehr aus gesundheitlichen als ethischen Gründen) und eckt damit immer wieder an. Weil er bei gemeinsamen (meist deftigen) Abendessen nicht mehr mitmacht, hat er sogar schon Freunde verloren. Gut, man kann den Wert dieser Freundschaften in Frage stellen, aber nachdenklich stimmt sowas schon…

    Im Ausland ist das Unverständnis für vegane Ernährung manchmal noch größer (umso mehr wenns Sprachbarrieren gibt). Nicht selten gelten gerade Fleisch-, Fisch- und Käsegerichte als nationales Kulturgut, das man sich als Ausländer ja nicht entgehen lassen sollte. So etwas abzulehnen kann schnell unhöflich rüberkommen.

    Trotzdem schön dass es wohl (vom Angebot her) nie so einfach war sich vegan zu ernähren wie heute.

  2. Ken Sagt:

    Schade, das es im Ausland als unhöflich wahrgenommen wird Fleisch (Fisch gehört für mich zum Begriff Fleisch mittlerweile dazu) und Käsegerichte ablehnt. Wo es doch gerade in Griechenland, der Türkei und Indien um einige Bespiele zu nennen hervorragende von Haus aus vegane (Anmerkung: das Rechtschreibprogramm hier kennt das Wort vegan nicht) Gerichte gibt oder vegetarische aber einfach veganisierbare.

  3. schlachtreif Sagt:

    Wenn an der eigenen Ernährung/Einstellung Freundschaften zerbrechen, ist das wirklich hart. Diese Erfahrung hab ich zum Glück noch nicht gemacht… ich wüsste grade auch nicht, wie ich damit umgehen würde.

    Ja, das Angebot macht es einem inzwischen leicht. Obwohl ich finde, es könnte noch größer werden ;) Im Moment muss man sich schon noch ziemlich Gedanken machen, ich sage nur Betriebskantine, Mensa oder Zwischenmalhzeit in der Stadt… aber es geht voran. Anscheinend kann man damit langsam Geld machen.

  4. Katharina Sagt:

    Damit, dass es genügend Tierprodukt-Alternativen gibt, auf die der (Neu)Veganer zurückgreifen kann, hast du natürlich vollkommen recht. Aber :

    Wozu brauche ich Pizza, Tofu-Würstchen oder Sojasahne ? Es mag ja tierleidfrei sein, aber wie steht es um meine Gesundheit ? Lauter Zusatzstoffe und elendslange und denaturalisierende Verarbeitungsprozesse, die dafür sorgen, dass die Würstchen und Co den Originalversionen möglichst nahe kommen. Und Zucker. Und Fett. Das muss doch nicht sein. Da mache ich mir lieber meinen Seitan selbst und gönne mir ab und zu Pflanzenmilch, die nur aus (verarbeiteten, ja ja ^^) Sojabohnen und Wasser besteht.

    Ich denke, den finanziellen Aspekt der Geschichte brauche ich nicht anzuprechen :)

  5. schlachtreif Sagt:

    Hallo Katharina, danke für deinen Kommentar. Sicher hast du nicht ganz Unrecht. Muss wohl jeder selber wissen, ob und wie oft er auf solche Produkte zurückgreift. Ich finde sie meistens einfach praktisch. Das heißt nicht, dass ich nicht auf die Zusammensetzung achte.
    Dass sie versuchen, dem Original nahe zu kommen, ist eine gute Einstiegshilfe, wie du schon sagst. Schließlich spricht nichts dagegen, alte Gewohnheiten durch neue zu ersetzen. Dabei muss natürlich trotzdem ein Umdenken stattfinden. Aber mit den Alternativen wird dieses Umdenken zumindest in Gang gesetzt – vielleicht auch in die Richtung von mehr unverarbeiteten Lebensmitteln.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.