Auf einen Kaffee…

Januar 23, 2012

Die letzten Tage erlebte ich wirklich einen außergewöhnlichen Luxus – und das ganz unerwartet. Normalerweise muss ich mich während meiner Arbeitszeit ja von Grund auf selbst versorgen. Außer Wasser und schwarzem Kaffee bringe ich alles von zu Hause mit. Geburtstagskuchen der Kollegen kommt für mich im Normalfall nicht in Frage und die bereit liegenden Süßigkeiten auch nicht. Und auch bei Terminen außerhalb der Redaktion lehne ich meistens dankend ab, wenn mir etwas angeboten wird. Der Höhepunkt war vor kurzem ein Pressegespräch mit großem bayerischen Weißwurst-Frühstück, bei dem ich die einzige Medienvertreterin war – und dann auch noch die Butterbrezel verschmähte. Ja ja, so ist das Leben einer veganen Journalistin ;-)

Kein Spießrutenlauf

Wahrscheinlich klingt das jetzt wahrscheinlich wieder arg nach dem bösen Wort – Verzicht. Aber ich kann diejenigen beruhigen, die denken, dass mein Arbeitsalltag ein einziger Spießrutenlauf ist, bei dem ich mich ständig zügeln muss, nicht irgendwann über die unzähligen nicht veganen Köstlichkeiten herzufallen. Im Grunde beachte ich sie überhaupt nicht mehr. Ich gehe an ihnen ziemlich gleichgültig vorbei, genauso wie an der Fleischtheke im Supermarkt. Was meine Ernährung angeht, habe ich eben eine Entscheidung getroffen – und dazu stehe ich. Diese Entscheidung ist einfach da, ich muss mich weder ständig an sie erinnern, noch sie immer wieder hinterfragen. Und es lebt sich gut mit ihr.

Die einfachen Dinge

Manchmal sogar noch besser. Denn den Luxus, von dem ich zu Beginn sprach, genoss ich nicht etwa zu Hause in meiner Küche, während ich mir mal wieder selbst die eigenen Kochkünste vorführe. Ich besuchte auch kein edles veganes Restaurant, das mir Gaumenfreuden bereitete. Nein, ich hatte einfach mit Menschen zu tun, die einen ähnlichen Blick auf’s Leben haben wie ich – und das auch noch beruflich. Schön, wenn sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden lässt.

Ich spiele hier auf ganz einfache Dinge an, wie zum Beispiel eine Tasse mit Sojamilch. Kurz vor dem Wochenende besuchte ich einen kleinen Hof im Ochsenfurter Gau. Die Besitzer haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, kranke oder (nach Meinung ihrer Besitzer) ineffiziente und somit nicht vermittelbare Tiere bei sich aufzunehmen, zu pflegen und ihnen für den Rest ihres Lebens ein Zuhause zu geben. Knapp 100 Tiere leben inzwischen auf dem Gnadenhof in Gollachostheim. Beim Gespräch mit den beiden Tierschützern stand eine Kanne Kaffee auf dem Tisch. Gleich daneben eine Packung Sojamilch auf dem Tisch. Ganz ungewohnt.

Was will man mehr?

Ähnlich erging es mir bei den ersten Würzburger Hochschultagen zum Thema „Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit“, über die ich mehrere Male berichten konnte. Für mich sprangen dabei nicht nur sehr interessante Vorträge und neue Kontakte raus, sondern auch eine heiße Tasse (Fair Trade-) Kaffee mit Sojamilch. Sogar veganer Kuchen war im Angebot. Was will man mehr?

Natürlich, ich spreche hier nicht von weltbewegenden Ereignissen. Im Grunde sind es Kleinigkeiten, die auf den ersten Blick keine Rolle spielen. Aber man soll doch offen sein für die kleinen Freuden des Lebens, oder?

P.S. Auch wenn der Verdacht jetzt möglicherweise nahe liegt und der ein oder andere sich Hoffnung macht… Nein, man kann mich nicht mit veganen Leckereien bestechen. In diesem Punkt unterscheide ich mich dann doch nicht von meinen (seriösen) Kollegen. Für mich gelten schließlich die gleichen Regeln ;)

Foto: flickr (j4k3)

2 Antworten zu „Auf einen Kaffee…“

  1. Mausflaus Sagt:

    unglaublich, wie man sich schon über eine einfache tasse sojamilch freuen kann :-)

  2. Jane Sagt:

    Ich hab mich zum Beispiel super gefreut, dass diese Woche zum ersten Mal ein als vegan ausgezeichnetes Gericht auf der Kantinenspeisekarte steht – und daran bin ich nicht ganz unschuldig :) Ich meine, es gibt da öfter vegetarisch zur Auswahl und auch manchmal unbewusst vegan (Spaghetti mit Tomatensauce oder so) aber als vegan ausgezeichnet war noch nie was. Und ich freu mich einfach nur so sehr :)


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